2016

cunt prints – Eine Werk­serie:

georgy girl: 2 Serien von Gouache-Körper­ab­drü­cken auf Papier – 10 Blätter 100100 cm

Serie 1: 15 Abdrücke, Gouache­farben: Kadmi­um­rotton, Purpur Magenta und Kobalt­grün dunkel auf Aqua­rell­pa­pier (natur­weiß, säure­frei, licht­be­ständig) – in Bear­bei­tung

Serie 2: 15 Abdrücke, Gouache­farben: Delft­blau, Kadmi­umrot dunkel, Helio­grün bläu­lich, Preu­ßisch­blau, auf Aqua­rell­pa­pier (natur­weiß, säure­frei, licht­be­ständig) – in Bear­bei­tung

Versi­che­rungs­wert (20750,00 €) 15.000 Euro

Serie 3: Sonder­edi­tion von 5 mit all die erwähnten Gouache­farben – 2432 cm

Versi­che­rungs­wert jede 600,00 Euro

georgy girl ist eine weitere Serie von cunt prints (Mösen­drucke) – Körper­drucke – die dieses Mal ein zentriertes Design aufweisen. Der Titel basiert auf Silvio Nariz­zanos gleich­na­migen briti­schen Film von 1966 (nach einem Buch von Margaret Forster) über eine junge selb­stän­dige Frau und ihre emotio­nale Entwick­lung in Rich­tung Erwach­sen­sein. Er deutet aber auch auf Georgia O’Keeffe (1986) und ihre außer­or­dent­li­chen Blumen­ge­mälde hin, die Judy Chicago 1979 in The Dinner Party”-Ausstellung würdigte.

In den 1970ern bezeich­neten femi­nis­ti­sche Kriti­ke­rinnen und Künst­le­rinnen ihre Kunst als einzig­artig weib­lich – wegen ihrer zentrierten Formen, die – mit den Worten von Judy Chicago und Miriam Scha­piro – wie die Labien der Vagina konstru­iert sind.“1

Kunst­his­to­risch gesehen deutet georgy girl auch auf Gustave Cour­bets Gemälde L’Origine du monde” (1866) und André Massons Deck­platte L’Ori­gine du monde ou Terre érotique” (1955), die beide die weib­li­chen Geschlechts­or­gane darstellten.

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Sie lehnte die Aufnahme ihrer Kunst in den femi­nis­ti­schen Kanon der zentra­li­sierten Kern-Bild­sprache der 1970er ab, und stand auf der Seite jener, die den biolo­gi­schen Essen­tia­lismus als unan­ge­brachten Zugang zur Kunst von Frauen ansahen. O’Keeffe verbrachte, kurz gesagt, Jahr­zehnte damit die Deutung ihrer Blumen-Bilder­sprache als sexua­li­sierte Verkör­pe­rungen des weib­li­chen Körpers abzu­lehnen – sie deutete an, dass diese Inter­preten, männ­lich wie weib­lich, ledig­lich ihre eigenen psycho­sexu­ellen Beses­sen­heiten den harm­losen deko­ra­tiven Bildern der Künst­lerin aufzwangen. O’Keeffes durch­ge­hende Vernei­nungen resul­tierten in verschie­denen Meinungen unter Kunst­his­to­ri­kern, Kriti­kern – und der Künst­lerin selbst, deren Privat­briefe auf mehr Doppel­deu­tig­keit schließen lassen als ihre öffent­li­chen Aussagen. Die Kunst­his­to­ri­kern Anna C. Chave behauptet zum Beispiel, dass O’Keeffe bewusst eine (weib­liche) Sprache des Begeh­rens“ entwi­ckelte, um einzu­fangen, was sie dann selbst als das Unbe­kannte“ iden­ti­fi­zierte. Chave glaubte, dass die Künst­lerin eher abstrakt (…) die Erfah­rung ihres eigenen Körpers darstellte“ sowie ihre eigene Begierde – durch Leere, Schluchten, Spalten, Schlitze, Löcher, Leere und weiche, anschwel­lende Formen – statt direkt den mensch­li­chen Körper wieder­zu­geben. Chave behaup­tete weiter, dass O’Keeffes Kunst ihre Kinder­lo­sig­keit verkör­perte, ihren leeren Mutter­leib, sowie auch ein Gefühl von Fülle und Befrie­di­gung.“ Wie Wanda Corn erklärte, ermu­tigte ihre ausge­prägte Verwen­dung von entfal­tenden Blumen­blät­tern, eroti­sierten Staub­blät­tern und myste­riösen Zentren die Betrachter (…) sinn­liche Körper­teile hinein­zu­deuten, beson­ders die der weib­li­chen Anatomie und der männ­li­chen Pene­tra­tion.“ Tatsäch­lich mag O’Keeffe solche Asso­zia­tionen mögli­cher­weise bewusst evoziert haben. 1916 schrieb sie: Das Ding scheint auf eine Weise auszu­drü­cken, was ich will (…) es ist wesent­lich das Gefühl einer Frau“; später, in 1925, schrieb sie eine Frau (…) könnte etwas aussagen, dass ein Mann nicht kann – ich denke, dass da etwas Uner­forschtes um eine Frau ist, dass nur eine Frau erfor­schen kann.“ 1930 bekun­dete sie: Ich versuche mit all meinen Fähig­keiten zu malen was ganz Frau ist – wie auch ganz ich.“ O’Keeffes Inten­tionen (auch wenn sie vage ausge­drückt sind) über­schneiden sich so mit dem Diskurs der Zwischen­kriegs­zeit über weib­liche Gefühle, Stand­punkte und Sexua­lität.2

Ob O’Keeffes Blumen­ge­mälde als essen­ti­elle Frauen-Reprä­sen­ta­tionen beab­sich­tigt waren oder nicht, sie sind sicher­lich femi­nis­ti­sche Ikonen geworden – mit ihrem Gemälde Jimson Weed/​White Flower No. 1” erlangte die Künst­lerin heraus­ra­gende Aner­ken­nung, als es 2014 für ein Vermögen verkauft wurde.3

1955 erwarb Jacques Lacan, der Psycho­loge, Gustave Cour­bets Gemälde L’Origine du Monde” („Der Ursprung der Welt“) von 1866, das den nackten Torso einer Frau mit ausein­an­der­ge­spreizten Schen­keln darstellte. Dieses provo­ka­tive Ölge­mälde war in seiner Wohnung hinter einem zeit­ge­nös­si­schen Bild mit demselben Sujet verborgen – ein Bild von André Masson, das Lacan beauf­tragt hatte.

Cour­bets Gemälde wurde kano­ni­siert, nachdem es 1995 von den Fran­zosen aus dem Lacan-Nach­lass anstelle von Steuern akzep­tiert worden war (…), es wirkte fast offi­ziell, während Massons Cover als Terre érotique („Eroti­sches Land“) bekannt, das den glei­chen Anblick vom Intim­be­reich einer Frau bot, aber kalli­gra­phisch mit der Idee vom Körper als Land­schaft spielte, weiterhin weiterhin provo­zie­rend wirkte. Die Terra­cotta-farbene Tafel wurde ange­fer­tigt, um zurück­ge­schoben zu werden, so dass Lacans Besu­cher mit einem Schau­spiel der Enthül­lung vergnügt wurden. Das hielt die Tradi­tion des ersten Besit­zers von Origines“ – des osma­ni­schen Botschaf­ters Khalil-Bey – am Leben, der den Courbet in einer Toilette, hinter einen grünen Vorhang, hängen ließ. Und kürz­lich kam in Fach­kreisen die These auf, dass dieser grüne Vorhang (blas­phe­misch genug) eine Andeu­tung auf den fiktiven grünen Vorhang in Raphaels Sixti­ni­scher Madonna war. Das Masson-Cover verbleibt in einer Privat-Kollek­tion, während der Courbet zum Musée d’Orsay gehört.”4

L’Origine du monde” und Massons Cover l’Ori­gine du monde ou Terre érotique” (1955) waren objek­ti­vierte Bilder einer Frau ohne Iden­tität – namen­lose und abge­trennte Verall­ge­mei­ne­rungen von Weib­lich­keit, abge­bildet von männ­li­chen Künst­lern. Während diese Bilder ein kultu­relles Tabu brachen (die Darstel­lung weib­li­cher Sexu­al­or­ganen in einem Kunst­werk) und daher inno­vativ waren, sind die cunt prints“ eine femi­nis­ti­sche Unter­su­chung, die ein blei­bendes soziales Tabu entmys­ti­fi­ziert, weil sie von einer Frau produ­ziert wurden – der weib­liche Blick spricht sich selbst an.

georgy girl sind orna­men­tale cunt prints“; die farbigen Tupfen über­mit­teln die Thematik nicht eindeutig, doch während ein Finger­ab­druck die ganze Person verkör­pert und reprä­sen­tiert, sind diese Mösen­drucke“ Reprä­sen­ta­tionen von Weib­lich­keit. Im Rahmen der Absicht ist jedoch auch ein kodierter Hinweis auf den Miss­brauch an Frauen – das Kunst­werk rührt an die Art und Weise, in der Frauen und ihre Sexua­lität in manchen Teilen der Welt immer noch betrachtet und kontrol­liert werden. georgy girl wurde nach einer Einla­dung zur Teil­nahme in einer Grup­pen­aus­stel­lung produ­ziert, die Spenden für eine Kran­ken­sta­tion zusam­men­tragen möchte: das Desert Flower Center“ des Berliner Kran­ken­hauses Wald­friede, in dem Opfer weib­li­cher Geni­tal­ver­stüm­me­lung behan­delt werden.

1 S. 127 – 8 Art and the Crisis of Marriage: Edward Hopper and Georgia O’Ke­effe” Vivien Green Fryd
books​.google​.de/​books?…
(Über­set­zung Tanya Ury & Amin Farza­nefar)

2 Ebenda 1

3 Ein Blumen­ge­mälde der verstor­benen US-Künst­lerin Georgia O’Ke­effe wurde für $44.4mio (ca. 39.4 mio Euro) auf einer Auktion verkauft und stellte so einen Rekord für das Kunst­werk einer Künst­lerin auf. Analyse von Will Gompertz, BBC Kunst­re­dak­teur 21. November 2014

www​.bbc​.com/​n​e​w​s​/​enter…

4 James Fenton, private view, The Guar­dian, Samstag 8 März 2008
www​.theguar​dian​.com/bo…
(Über­set­zung TU & AF)



Präsen­ta­tion


Grup­pen­aus­stel­lungen

2016 (1619.9) Tanya Ury präsen­tiert georgy girl (cunt prints), Nr. 5 aus der Serie 3. (2432 cm Gouache-Körper­ab­drücke auf Aqua­rell-Papier) in A Rose is a Rose” (Eine Rose ist eine Rose), eine Grup­pen­aus­stel­lung und Spen­den­ver­an­stal­tung für Pati­en­tinnen, die Opfer von Geni­tal­ver­stüm­me­lung wurden und im Wald­friede Kran­ken­haus, Berlin behan­delt werden. Die Veran­stal­tung findet statt während der Berliner Kunst­woche, im Desert Flower Center“ des Wald­friede Kran­ken­hauses, Berlin (D)

www​.Aros​eis​Arose​.de

Samm­lungen

2016 georgy girl Nr. 2 aus der 3. Serie, 2432 cm, von Gouache-Körper­ab­drü­cken auf Papier, Privat­samm­lung Thanh Minh Nguyen, Köln (D)

2016 georgy girl Nr. 5 aus der Serie 3. 2432 cm, Gouache-Körper­ab­drücke auf Aqua­rell-Papier, Privat­samm­lung, Spen­den­ver­an­stal­tung für Pati­en­tinnen, des Desert Flower Center“ im Wald­friede Kran­ken­hauses, Berlin, die dort als Opfer von Geni­tal­ver­stüm­me­lung behan­delt werden.

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